5. Tag: 9:50 Uhr Abflug nach Alice Springs vom Domestic Airport aus, ausnahmsweise also mal früh aufstehen. Checkin verläuft problemlos wie immer, dann steigen wir auch schon in unsere bunte Qantasmaschine ein. Vielleicht sollten die bei Virgin Blue auch mal über sowas nachdenken, um ihre hässlichen Dreckskarren etwas attraktiver zu gestalten

Bemalte Boeing 767
Dank niedriger Flughöhe sieht man ordentlich was am Boden -oder auch nicht- da ist ja nichts als Sand, Steine und Büsche. Ab und zu ein paar Bäume, eine staubige Piste und wenn man Glück hat ein Haus. Die Flussläufe sehen trotzdem sehr cool aus und ziehen sich wie ein grünes Band durch die Wüste.
Der Flughafen in Alice Springs ist winzig. Auch in Sydney läuft man gelegentlich übers Rollfeld zum Flugzeug oder Terminal, in Alice Springs geht es gar nicht anders. Der Flughafen besteht aus einer Lande/Start-Bahn und einem Gebäude, das sich Terminal nennt, aber in etwa die Größe von einer Sporthalle hat. Dafür sieht man aber auch die Hangars der Royal Flying Doctors mit ihren typischen runden Wellblechdächern, wie sie der ein oder andere vielleicht aus “Die fliegenden Ärzte” kennt
Direkt am Flughafen holen wir unseren Mietwagen ab, wieder bei Thrifty (aus Perth bekannt). Zielsicher frage ich nach dem Weg zur Autovermietung, bemerke zu diesem Zeitpunkt aber nicht, dass ich mich 5m davon entfernt befinde. Naja… Das erste mal im Outback lächerlich gemacht, das ging schnell.
Unser Mitsubishi Outlander ist eine schnieke Karre, leider Automatik, aber zieht gut an, wenn man aufs Gaspedal drückt.

vrooooom vrooooooom
Die anfängliche Unsicherheit (so oft fahre ich ja nun nicht hier) verfliegt auf den ersten 10km vom Airport bis ASP sehr schnell und ich kann anfangen die Fahrt zu genießen. Katja instruiert sich derweil mit dem Kartenmaterial des Reiseführers und darf ab sofort den Navigator spielen. Eine einfache Aufgabe, wie sich schnell herausstellt.
Unser Hostel, Toddy’s Backpacker Resort, ist auf Anhieb gefunden, Einchecken verläuft wie geplant, erster Eindruck sehr positiv, um Klassen besser als das Jolly in Sydney. Besonders schön: Wir teilen uns Bad und Küche nur mit 2 anderen Mädels, ebenfalls aus Deutschland (wie überraschend), die nebenan schlafen.
Um den für morgen geplanten Trip zum Ayers Rock zu organisieren, decken wir uns erst mal mit Vorräten ein. Natürlich mit dem Auto, wozu hat man es denn. Schon auf der Fahrt zum Supermarkt durch die “Stadt” fallen uns die Aborigines auf oder das, was von ihnen übrig geblieben ist bei dem Versuch sich in die weiße, australische Gesellschaft zu integrieren. (Damit das nicht missverstanden wird: Das ist keine Bewertung durch uns, sondern eines der größten Probleme Australiens.) Auf dem Supermarktparkplatz grölt eine Abo-Mutter ihren Kindern hinterher und das zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Supermarkt. Mit diesen ersten Eindrücken kehren wir zunächst ins Hostel zurück, wo wir unsere beiden Zimmernachbarinnen kennenlernen. Im Laufe des Gesprächs erzählen sie uns, dass sie in der Nacht zuvor auf einem Campingplatz überfallen worden sind und ihr Campingvan demoliert wurde – von Aborigines. Das bestätigt die Eindrücke, die wir bisher hier bekommen haben. Dazu später noch mehr.
Den restlichen Tag verbringen wir damit die “Stadt” zu erkunden. Wir fahren auf den Anzac-Hill, der ein Kriegsdenkmal der australisch-neuseeländischen Allianz in verschiedenen Kriegen ist (ja, mal wieder ein Kriegsdenkmal…) Wichtiger für uns: Von hier hat man einen Überblick über die ganze “Stadt” und kann endgültig feststellen, dass ASP ein hässliches Drecksloch ist. :X Dennoch ist es faszinierend, dass in dieser rustikalen Landschaft aus rotem Stein und trockenem Gebüsch Menschen leben und auch bleiben. ASP ist aus einer Telegraphenstation hervorgegangen, die heute natürlich kein Mensch mehr braucht und trotzdem ist es die zweitgrößte Stadt des Northern Territory (und das mit 28k Einwohnern).

Schymitzungs auf dem Anzac Hill
Neben dem Anzac Hill gibt es in ASP noch die Station des Royal Flying Doctor Service, ein Reptile Center und alte Hütten (Telegraphenstation inklusive) zu bewundern. Hat natürlich alles schon zu, aaaaber – auf unserer Minikarte aus dem Hostel entdecken wir den “Billy Goat Hill” und beschließen nachzusehen, ob man auch darauf ein Kriegsdenkmal errichtet hat… Hat man nicht, aber dafür gibt es hier jede Menge Scherben, Müll und riesige Grashüpfer. Naja… war keinen Blick wert.

Altes Autowrack, wie man die Beschriftung zu interpretieren hat, weiß ich nicht
Wir fahren zurück ins Hostel, unterhalten uns noch ein bisschen mit unseren Nachbarn und gehen dann in der hosteleigenen Bar noch etwas essen. Hier komme ich in den Genuss eines Kamelsteaks, was soll ich sagen, geil
Das Highlight für Katja war die Barkatze, die auch ein gerngesehener Gast in der Küche zu sein scheint. Hmmm, lecker! Zu meinem Steak genehmige ich mir heute ein “Mercury”, australischer Cidre, sehr lecker und mal was anderes als Bier. Früh geht’s in die Heia, morgen wird um 4:15 Uhr aufgestanden, um früh loszukommen.
6. Tag: Goooood moooooorniiiiiiiiiing Aaaaaaliiiiicceeeee Sprriiiiiiings. Nicht um 4:15 Uhr. Die “Stadt” ist tot. Alle Vorräte schnell ins Auto packen und los geht’s. Radio an, um wachzuwerden. Nach 70km muss ich wach genug sein beschließt irgendwer, da dann sämtliche Radiosender verstummen und in grausames Rauschen übergehen. Radio aus. Dafür wird es aber langsam hell, wir halten, um uns den Sonnenaufgang im Outback anzusehen – und essen ein Sandwich.


Tja, ich bin schon ne coole Sau
Ansonsten halten wir eigentlich nur zum Tanken – oder um ein Sandwich zu essen. Zum Schutz vor Fliegen erwerben wir auch noch 2 klassische Imkerhauben, sieht dämlich aus, hilft aber.

Antifliegenkatja
Was sieht man so unterwegs? Alle 30km ein anderes Auto (man grüßt hier jeden, der entgegenkommt, weil man sich drüber freut endlich mal wieder einen anderen Menschen zu sehen und um zu verhindern, dass die Hand einschläft am Lenkrad), Büsche, tote Kängurus, tote Kühe, tote keineahnungwasdasmalwar, Autoreifenbäume. Autoreifenbäume?! Nun ja, irgendwer fand es wohl witzig einen Baum mit alten Reifen zu dekorieren, die hier überall am Straßenrand rumliegen. Ansonsten gibt es abseits der Straße ab und zu ein Autowrack zu bestaunen und jemand hat mit Steinen ein Smileygesicht an einen Hang gelegt.
Dann taucht er vor uns auf – der Ayers Rock… oder auch nicht. Wie ich schon früh vermute und Katja später beweisen kann, ist es eben NICHT der Ayers Rock (falsche Form, falsche Position), sondern Mt. Conner, egal, Bild gibt es trotzdem. Auf diesen Berg hinaufzukommen ist nahezu unmöglich, da er sich in Privatbesitz befindet und nur mit Überwindung von Steilwänden zu erklimmen ist.

Mt. Conner
Aber dann sind wir wirklich da, am Eingang des Uluru-Kata Tjuta National Park. 25$ kostet der Pass pro Person, der dafür aber auch für 3 Tage gültig ist. Dummerweise steht schon am Eingang ein Schild, das sehr unmissverständlich klarmacht, dass der “Climb”, also der Aufstieg zum Rock, heute nicht erlaubt ist, weil es zu windig ist. Mist! Trotzdem ist die Fahrt dorthin toll, der immer größer werdende rote Riese sieht schon sehr beeindruckend aus. Auf dem staubigen Parkplatz packen wir unsere Rucksäcke und laufen ein bisschen drum herum.


Katja vorm Rock
Als wir an einer Weggabelung ankommen, wirft Katja zufällig nochmal einen Blick zurück zum Parkplatz, wo auch der Climb beginnt, und sieht, dass Leute den Aufstieg begonnen haben, der Climb ist wieder offen! YEAH! Ich explodiere vor Begeisterung, Katja schmollt, weil sie lieber drum rum laufen möchte als hoch. Trotzdem beginnen wir zusammen den Aufstieg, trennen uns aber recht schnell. Der Weg ist wahnsinnig steil und auch etwas rutschig, Katja hat Angst und bleibt unten.
Gott sei Dank ist es nicht so heiß heute, das macht den Aufstieg etwas leichter. Der hat es trotzdem in sich, die blöde Kette ist viel zu tief angebracht und dadurch keine wirkliche Hilfe. Es ist einfach sausteil und ich leg ein paar Päuschen ein, zum einen, um zu trinken, zum anderen, um die Aussicht von hier zu genießen, weil man den Parkplatz noch sehen kann und die Autos schon winzig werden.

Aufstieg Ayers Rock
Nachdem die Strecke mit der Kette zurückgelegt ist, landet man auf einer Art Plateau. Hier dokumentiert gerade ein Familienvater mit der Videocam seinen Urlaub. Ungünstigerweise denke ich, dass er mit mir redet und beginne ein Gespräch mit ihm. Irgendwann fällt mir dann auf, dass er nicht mit mir, sondern mit seiner Videocam redet, peinlich. Dafür blöke ich jetzt in seinen Urlaubserinnerungen rum, lustig
.
Ich gehe schnell weiter und versuche das gerade erlebte zu vergessen. Es geht hoch und runter über den Sandstein, aber doch mehr hoch als runter. Irgendwann bin ich dann oben und genieße den weiten Blick – den weiten Blick ins Nichts… Naja, man sieht die Olgas, Mt. Conner und diverse andere Berge in der Ferne. Aber davor ist einfach nichts, nur Einöde. Ich finde das zwar faszinierend, aber ich glaube man findet es dann auch relativ schnell sehr langweilig. Dennoch: Poserpicturetime!


Jack auf dem Rock

Der Abstieg verläuft recht schnell und ich überhole dabei zahlreiche andere Leute, die sich an der Kette festklammern, während ich freihändig vorbeihüpfe. Runterrennen sollte man vielleicht trotzdem nicht, man rutscht auch so genug.
Nach kurzer Erholungspause im Auto fahren wir dann gemeinsam kurz zum Cultural Center um eine kleine Pinkelpause einzulegen. Auf den Toiletten gucke ich mich spaßeshalber mal ein bisschen nach Spinnen um und entdecke beim Pinkeln nur 30cm von meinem Kopf entfernt tatsächlich eine Redbackspider.
Nach unserem Stop ziehen wir weiter Richtung Olgas, eine Sandsteinformation, die aus buckeligen Hügeln besteht und ebenfalls ein Heiligtum der Aborigines darstellt. Hochklettern ist hier wirklich komplett untersagt, man darf aber dazwischen rumlaufen.

Ein paar der Olgas

Katja zwischen 2 der Olgas
Leider hat es sich inzwischen etwas zugezogen, andererseits ist das eher eine Seltenheit am hier. Für einen anständigen Sonnenuntergang ist das natürlich nichts, die armen Leute, die gerade mit dem “Uluru Sunset Tours”-Bus ankommen.
Auch ohne Sonnenuntergang finden wir die Olgas und den Rock toll und fahren nach einem kurzen Tankabstecher in Yulara zurück nach Alice Springs. Damit ich nicht einschlafe singt Katja unterwegs was ihr gerade einfällt, wer Katja schon mal singen gehört hat, der weiß, was das für eine wirkungsvolle Waffe gegen Schlaf ist.
Kurz vor Alice Springs plötzlich Warnblinkanlage am rechten Straßenrand. Wie es sich gehört, halten wir, um nachzusehen, ob da jemand Hilfe braucht. Sofort stürmen aber 2 Aboriginefrauen auf unser Auto zu und klopfen an die Scheibe. Ich taste wie blöd an der Fahrertür rum auf der Suche nach dem Knopf, der alle Türen absperrt, erwische aber nur den Fensteröffner von Katja und lasse ihr Fenster runter. Die Geschichte, die man uns erzählt ist kurzgefasst folgende: Die Herrschaften haben soeben Alice Springs verlassen und reisen mit 2 kleinen Jungs und haben jetzt keinen Spritt mehr. Aber siiiicheeer, achtet man ja auch nicht drauf, wenn man aus Alice Springs fährt… Wir versuchen mitzuteilen, dass wir zurück nach Alice Springs fahren und dort die Polizei verständigen werden, damit diese helfen, da wir nicht mehr tun können. Nach der Geschichte von den beiden Mädels beschließe ich dann kurzerhand, dass wir uns genug unterhalten haben und trete aufs Gaspedal. Wie versprochen verständigen wir zurück in ASP in der Bar neben Toddys dann jemanden. Allerdings sieht man auch hier gleich Stirnrunzeln als Katja sagt, dass es Aborigines waren. Es ist schlimm, dass man automatisch etwas böses denkt, aber scheinbar gibt es genügend Anlass dazu.
Unsere letzten gemeinsamen Tage nach dem Rückflug verbringen wir privat unter Ausschluss der Öffentlichkeit zusammen in Wollongong und werden hier nicht dokumentiert werden